THESIS-Strategie-Workshop in Köln

Posted on: By: Andreas Ruttor
Kölner Dom

An einem schönen Wochenende, von Freitag, dem 31. Juli, bis Sonntag, dem 2. August, trafen sich Bundesvorstand, Bundesausschuss und Beirat von Thesis in der Jugendherberge Köln-Riehl zu einem gemeinsamen Strategie-Workshop. Da nicht alle Teilnehmer:innen persönlich anwesend sein konnten, fand der Workshop als Hybrid-Veranstaltung (Präsenzveranstaltung + Videokonferenz) statt. Unser Ziel war es, ausgehend von der Frage Wie sehen wir Thesis in der Zukunft, z. B. in 3–5 Jahren? konkrete Aktionspläne zu entwickeln.

Am Freitagabend kamen wir zum entspahttps://www.thesis.de/nachrichten/2026/thesis-unterstuetzt-die-petition… Grillen am Rheinufer zusammen. Neben Abendessen und Erholung von der Anreise wurde auch die Agenda des Treffens noch einmal besprochen und die Planung verfeinert.

Der Workshop startete dann am Samstagvormittag mit einer Einführung in die Entwicklung einer gemeinnützigen Organisation. Laura Lisogorko, unser Vorstand Strategie, erklärte die Begriffe Vision, Mission, Strategie und Taktik, die die einzelnen Stufen der Planung bezeichnen. Die Vision ist das Ziel, das eine Organisation erreichen will. Das darf auch eine Utopie (z. B. einer besseren Gesellschaft) sein, die nur in ferner Zukunft oder mit Unterstützung anderer Akteur:innen erreichbar ist. Dagegen ist die Mission, abgeleitet von der Vision, eine konkrete Aufgabenstellung für die Organisation. Für einen Verein ist das, oft recht allgemein formuliert, der in der Satzung festgelegte Vereinszweck, z. B. in § 2 der Thesis-Satzung: Ziel des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung, insbesondere durch Hilfestellungen für Promovierende und Promovierte. Vor allem soll ein interdisziplinärer Erfahrungs- und Wissensaustausch im Inland und mit dem Ausland gefördert werden. Außerhalb der Satzung, z. B. in Broschüren oder auf einer Website, sind Missionsstatements dann konkreter und verweisen auch auf aktuelle Aktionen des Vereins. Strategien sind Pläne zur Umsetzung der Mission, die die Reihenfolge von Schritten, geeignete Zeitpunkte, benötigte Ressourcen und Rahmenbedingungen für Aktivitäten festlegen. Eine Organisation kann mehrere Strategien gleichzeitig verfolgen, aber auch Aktivitäten zurückstellen, wenn die Voraussetzungen (Zeit, Ressourcen usw.) nicht gegeben sind. Taktiken schließlich sind die einzelnen Schritte, die als Maßnahmen innerhalb einer Strategie methodisch eingesetzt werden. Dabei ist es nicht einfach, die einzelnen Ebenen der Organisationsentwicklung zu unterscheiden und beispielsweise einen Aktionsplan von einem strategischen Ziel oder von einer Maßnahme abzugrenzen. Wie meine Erfahrung zeigt, führen die Nichtbeachtung der Reihenfolge Strategie – Aktionsschritte – Maßnahmen und die fehlende Abgrenzung der einzelnen Ebenen oft zu Missverständnissen und fruchtlosen Diskussionen.

Nach dieser Einführung habe ich den Ist-Zustand unseres Vereins Thesis e. V. vorgestellt und mit den anderen Teilnehmer:innen diskutiert. Informationsquellen hierfür waren meine Beobachtungen als Webmaster sowie eine statistische Auswertung des Mitgliederverzeichnisses und der Online-Mitgliedsanträge. Positiv ist zu sehen, dass alle Fächergruppen der staatlichen Hochschulstatistik und alle Altersgruppen im Bereich von 25 bis 75 Jahren in der Mitgliedschaft vertreten sind; folglich ist Thesis tatsächlich interdisziplinär und divers aufgestellt. Für die Promotionsphase geben 27 % der Mitglieder an, dass sie gerade promovieren, 40 % sind bereits promoviert, 12 % promotionsinteressiert und von 21 % fehlt diese Angabe im Mitgliederverzeichnis. Bei den Neumitgliedern promovieren 57 % zum Zeitpunkt des Beitritts, 35 % sind promotionsinteressiert und nur 9 % bereits promoviert. Hier zeigt sich eine bisher nur indirekt angesprochene Zielgruppe für die Mitgliederwerbung: Menschen mit Interesse an der Wissenschaft und gegebenenfalls einer eigenen Promotion. Dazu passt auch Lauras Vorschlag, Thesis bei promotionsinteressierten Studierenden besser bekanntzumachen. Sie schlägt auch vor, Thesis als interdisziplinäres und generationsübergreifendes Netzwerk für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu bewerben. Das wichtigste Medium für Vereinsnachrichten sind die Mailinglisten, über die 90 % der Mitglieder zu erreichen sind. Von Nichtmitgliedern, die mehr über Thesis erfahren wollen, wird hauptsächlich die Website als Informationsquelle benutzt, aber auch Mitglieder und Nichtmitglieder, die Thesis bereits kennen, informieren sich dort über Veranstaltungen und Aktivitäten des Vereins. Ebenso wird die Mitgliederzeitschrift THESE gerne gelesen: 63 % der Mitglieder beziehen sie in gedruckter Form per Post sowie 25 % der Mitglieder als PDF per E-Mail. Neumitglieder finden uns häufig über Empfehlungen von Bekannten (17 %) oder von wissenschaftlichen Institutionen (15 %), aber auch im Internet (9 %) und über Kooperationspartner:innen (7 %). Besonders werbewirksam sind Ratgeber-Bücher, über die uns 8 % der Neumitglieder entdeckt haben. Hier wurden die drei Ratgeber, die von Thesis-Mitgliedern geschrieben und veröffentlicht wurden, in der Hälfte dieser Fälle (4 %) im Mitgliedsantrag genannt. Auch die Erwartungen der Neumitglieder wurden beim Beitritt abgefragt: 17 % nannten Interessenvertretung und ebenfalls 17 % Netzwerken. Da diese Angabe freiwillig war, haben sich 52 % leider nicht dazu geäußert.

Nach der Mittagspause gingen wir dann an die praktische Entwicklung von Strategien für Thesis heran. In einer Diskussionsrunde stellten alle Teilnehmer:innen ihre Zielideen für Thesis vor und überlegten gemeinsam Vor- und Nachteile. Wir erkannten schnell, dass einige Ideen kein Alleinstellungsmerkmal für Thesis bieten könnten: einen KI-Dissertationsthemen-Scout sowie Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung oder Weiterbildung können kommerzielle Anbieter:innen leicht realisieren; hier sind aber geeignete Kooperationen für solche Angebote denkbar. Andere Ideen wiederum könnten die Bedeutung von Thesis deutlich steigern und dabei das Alleinstellungsmerkmal der Unabhängigkeit eines eingetragenen Vereins ohne Finanzierung durch Wissenschaftsinstitutionen nutzen. Dazu gehören beispielsweise die Bewertung von Promotionsprogrammen oder die Beratung von Promovierenden in Krisensituationen. Jedoch lassen sich diese beiden Vorschläge mit den vorhandenen Ressourcen zurzeit nicht realisieren.

Schließlich wurden zwei Strategien ausgewählt, die auch mehrfach in verschiedenen Varianten diskutiert worden waren: Politische Vertretung und Family Networking. In zwei getrennten Gruppen wurden dann die zugehörigen Aktionspläne ausgearbeitet.

Der Ausgangspunkt der Strategie Politische Vertretung ist die bereits vorhandene Bekanntheit von Thesis als Akteur in der Hochschulpolitik. Hier wurde der Verein in den letzten sieben Jahren sehr gut vertreten durch unseren (nun ehemaligen) Referenten für Hochschulpolitik Dr. René Krempkow. Erster Schritt des Aktionsplans ist deshalb die Bildung einer neuen AG Politik, deren Mitglieder sich in der hochschul- und wissenschaftspolitischen Interessenvertretung für Promovierende engagieren. Öffentlichkeitsarbeit mit klassischen und sozialen Medien sowie die Durchführung von Online- oder Hybridveranstaltungen sollen dann die Sichtbarkeit von Thesis erhöhen und natürlich auch die Anliegen der Nachwuchswissenschaftler:innen bekanntmachen. Eine erste konkrete Aktion dieser Strategie ist die Beteiligung unseres Vereins an der Petition Wissenschaft: Dauerbefristung abschaffen! des Bündnisses gegen Dauerbefristung in der Wissenschaft. Die Beantragung von Fördermitteln und ein Symposium für alle deutschen Promovierendenvertreter:innen sind als weitere Schritte geplant.

Hinter der Strategie Family Networking steht die Erwartung, dass der Verein den Mitgliedern Gelegenheit zum Networking bietet, aber auch Family & Friends hierbei einbezogen werden. Erster Schritt ist hier, die Interessen der Mitglieder an gemeinsamen Freizeitaktivitäten abzufragen. Entsprechend lassen sich dann durch Auswertung der Rückmeldungen Gruppeninteressen identifizieren. Das soll dann genutzt werden, um die Mitglieder miteinander in Kontakt zu bringen, die ähnliche Interessen haben. Dazu können kurzfristig weitere Mailverteiler sowie Blogs auf der Thesis-Website eingerichtet werden. Längerfristig ist es bei entsprechender Nachfrage auch sinnvoll, eine Online-Community aufzubauen. Auf diese Weise wird Thesis zu einem Informationshub, über den sich die Mitglieder besser an Thesis-Aktivitäten beteiligen, aber auch selbst gemeinsame Freizeitaktivitäten leicht organisieren können.

Abschließend wurde diskutiert, welche weiteren Strategien sinnvoll erscheinen, aber in diesem Workshop aufgrund der begrenzten Zeit nicht ausführlich behandelt werden konnten. Zum einen ist das der Bereich Weiterbildung. Hier ist die Konkurrenz groß, sodass es sich meistens nicht lohnt, Seminare selbst anzubieten. Einige identifizierte Marktlücken können mittels Thesinaren vorübergehend gefüllt werden, ansonsten sind hier vor allem Kooperationen sinnvoll. Zum anderen sollen auch noch die Themen Mitgliederwerbung, neue Zielgruppen und der Strategiebereich Zusammenarbeit mit anderen Verbänden auf weiteren Workshops besprochen werden.

Als Nächstes geplant ist ein Strategie-Workshop in Berlin unter dem Motto Thesis-Vision im Dialog mit KI, der Ende November stattfinden wird. Zeitlich passend lässt sich die Teilnahme dann mit dem Besuch eines schönen Adventsmarktes verbinden.

Zum Abschluss des Workshops testeten die Teilnehmer:innen vor Ort dann schon einmal zwei Aktionen der Strategie Family Networking: Am Samstagabend schauten wir uns das Feuerwerk der Kölner Lichter am Rheinufer an. Am Sonntag folgte dann noch eine Panoramafahrt auf dem Rhein. Diese bot uns eine neue Perspektive auf einige Kölner Sehenswürdigkeiten und nebenbei konnten wir die Ergebnisse des Treffens noch einmal Revue passieren lassen.