Schreibwerkstatt

Schreibwerkstatt für Promovierende in Stuttgart

Der Prozess des Schreibens einer Dissertation

Der Schreibprozess besteht aus vier Schritten: Ideen sammeln, Gliedern/Strukturieren, Formulieren (Schreiben i.e.S.) und Überarbeiten. Gleichwohl ist der Prozess des Schreibens einer Dissertation komplexer, als es dieses Vier-Schritte-Schema nahelegt: So beginnt etwa die Arbeit an einer Dissertation nicht erst mit dem „Zusammenschreiben“, sondern bereits beim (schreibenden) Sammeln von Ideen und Ordnen der Ideen. Ferner wiederholen sich gerade bei einer Dissertation die einzelnen Schritte regelmäßig – an Kapiteln, Abschnitten und einzelnen Seiten.

Des Weiteren hängt der konkrete Verlauf des Schreibprozesses von vielen weiteren Faktoren ab, beispielsweise von der Art der Dissertation (theoretische oder empirische Arbeit) oder von den Stärken und Vorlieben der Promovierenden („strukturierte“ und „entdeckende“ Schreiber). Nicht zuletzt fehlt oft die Übung im wissenschaftlichen Schreiben und man kämpft mit einer diffusen Schreibunlust. Häufig ist man sich auch nicht sicher, ob ein Text „wissenschaftlich“, verständlich, flüssig, strukturiert oder stringent ist. – Und man „versteckt“ ihn.  

Dauer: 2 Tage in Stuttgart

Termin: 28. und 29. Juni 2008

Kosten:   85€ Mitglieder, 125€ Nichtmitglieder 

Anmeldung und weitere Informationen bei Simon Wolf (simon_wolf [at] web [dot] de)

Referent

Franz Schaller, Diplom-Pflegepädagoge, war bei THESIS 1 Jahr Regionalleiter OST, 1 Jahr Mitglied des Bundesvorstandes von Thesis; ab Sommer 2008 Mitglied des Beirates.

Ferner: Trainer für wissenschaftliches und berufliches Schreiben und Schreibcoach (Institut für Kreatives Schreiben, Berlin; Leitung: Prof. Lutz von Werder); hier tätig in der Beratung von Studierenden und Promovierenden zu ihren Schreibprojekten, in der Leitung von regelmäßigen Schreibwerkstatttreffen für Promovierende und von Schreibseminaren u.a. für THESIS, für die Berufliche Weiterbildung der Humboldt-Universität zu Berlin und die Studienstiftung des deutschen Volkes. 

Zurzeit hauptberuflich tätig als Redakteur (Cornelsen-Verlag)

Interdisziplinäres Dissertationsprojekt zum Thema „Eckpunkte einer Konstitutionstheorie des Lernens“ (Abschluss voraussichtlich Sommer 2008)

Ansatz: Die Komplexität des Schreibprozesses aufbrechen

1. Problemstellung

Die Komplexität des Schreibprozesses rein kognitiv zu begreifen stellt in der Regel kein Problem dar. Die Schwierigkeit liegt woanders: Meist gelingt es nicht, die vielen kleinen „Baustellen“ auf die eigene Dissertation zu beziehen und so die vielfältigen Einzelprobleme beim Schreiben einer Lösung zuzuführen, die als „eigene“ Lösung akzeptiert werden kann.

2. Zielgruppe und Zielsetzung

Das Seminar richtet sich Promovierende aller Fachrichtungen. Die Zielsetzung des Seminars besteht darin, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Lösungswege für „ihren“ Schreibprozess erarbeiten.

3. Prinzipien der Arbeit in der Schreibwerkstatt

Entsprechend dieser Leitvorstellung ist das Seminar

  • teilnehmerorientiert, d.h., konkrete und aktuelle Schwierigkeiten im Schreibprozess werden eingebracht
  • erfahrungs- und handlungsorientiert, d.h., die Schwierigkeiten werden „praktisch“ angegangen
  • reflektiert, d.h., die Erarbeitung verbindet praktische Übungen und theoretisches Hintergrundwissen
  • textorientiert, d.h., die Erarbeitung geschieht anhand eigener Texte, die im Seminar produziert werden und die bereits produziert wurden (Teile der Dissertation, Textentwürfe)
4. Nutzen des Seminars

Der Nutzen des Seminars besteht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer  darin, dass sie ihr Repertoire an Schreibtechniken erweitern und dass sie in den Stand versetzt werden, diese Techniken auf ihre Dissertation anzuwenden. Daraus wiederum ergibt sich die Möglichkeit, die Arbeit an der Dissertation inhaltlich und strukturell voranzutreiben.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben in dem Seminar die Gelegenheit, eigene Texte zur Diskussion zu stellen, Verbesserungsmöglichkeiten zu erarbeiten und den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Rückmeldung zu deren Texten zu geben (und dabei für den eigenen Schreibprozess etwas zu lernen). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in der ko-produktiven Praxis des Seminars die Vorzüge einer Schreibwerkstatt kennen (z.B.: höhere Motivation zu schreiben, Austausch von Techniken, Tricks und Tipps, Partizipation an der Kompetenz der Gruppe) und verbesseren so ihre allgemeine Schreibkompetenz.

5. Mögliche Inhalte

Das Seminar soll die Gelegenheit zum Sammeln und zur Reflexion von Erfahrungen mit dem wissenschaftlichen Schreiben sowie zum Ausprobieren von bisher Unversuchtem geben – beides unter laufendem Bezug auf das eigene Dissertationsprojekt.

Analog zu den vier Schritten des Schreibprozesses werden – in Abstimmung mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern – vier Themenblöcke angeboten:

  1. Methoden für das Finden von Ideen und den Einstieg ins Schreiben:
    1. Einführung in kreative Methoden des Lesens und Schreibens (Freewriting, Rapidwriting, Clustern, ...)
    2. Fakultativ: Kreative Lesetechniken; Schnelllesen; vom Lesen ins Schreiben übergehen; vom fremden zum eigenen Text
  2. Methoden für das Struktruieren:
    1. Mindmapping
    2. Standardgliederungen
  3. Methoden fürs Formulieren:
    1. Argumentationsmuster
    2. Feinstrukturierung von Texten mittels Mindmapping
  4. Die Überarbeitungsphase
    1. Kriterien „guter“ Texte
    2. Diskussion von Texten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Ergänzend werden eingeführt bzw. diskutiert (fakultativ): Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens, der Schreibprozess und seine Störungen, Arbeitsorganisation, Zeitplanung, Wissenschaftlichkeit und Stil; Grundwissen Typographie.

6. Methoden

An Methoden kommen zum Einsatz: Impulsvorträge, Kleingruppenarbeit, Übungen, Erfahrungsaustausch. Im Wesentlichen hat das Seminar zwei methodische Säulen:

§         Die praktische Erprobung von Methoden des (kreativen) Schreibens gibt Impulse für die Diskussion von Schreiberfahrungen.

§         Die konstruktive Diskussion von konkreten, mit der Dissertation in Zusammenhang stehenden Texten verbindet den Prozessaspekt des Promovierens mit dem Produktaspekt.

7. Differenzierung nach Stand der Dissertation (fakultativ)

In der Regel stehen in der ersten Hälfte der Arbeit an der Dissertation die Ideenfindung sowie die Grobgliederung und -strukturierung im Vordergrund. Spiegelbildlich bilden in der zweiten Hälfte des Dissertationsprojekts das „eigentliche“ Schreiben und die sukzessive Überarbeitung „fertiger“ Texteile den Schwerpunkt.

Entsprechend sind zwei Akzentuierungen sinnvoll:

  • Als „SCHREIBwerkstatt für Promovierende“ richtet sich das Seminar an Promovierende, deren Dissertation am Anfang steht bzw. noch nicht sehr weit gediehen ist. In dieser Variante liegt der Schwerpunkt des Seminars auf der praktischen Erprobung von Methoden des (kreativen) Schreibens und des Strukturierens (ca. zwei Drittel), wohingegen die Themen Formulierung und Überarbeiten in den Hintergrund rücken (ca. ein Drittel).
  • Als „SchreibWERKstatt für Promovierende“ richtet sich das Seminar an Promovierende, deren Dissertation bereits relativ weit fortgeschritten ist. In dieser Variante liegt der Schwerpunkt des Seminars auf den Themen Formulierung und Überarbeiten (ca. zwei Drittel), wohingegen die praktische Erprobung von Methoden des (kreativen) Schreibens und des Strukturierens in den Hintergrund rücken (ca. ein Drittel).

 

8. Voraussetzungen

Erwartet wird, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Seminar aktiv mitgestalten. Dies setzt insbesondere voraus:

§         Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschicken 1–2 Wochen vor dem Seminar einen aktuellen Textauszug (12pt; pdf- oder Word-Datei) aus der Disseration sowie die vorläufige Gliederung der Dissertation an den Trainer und die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

  • Dem Text und der Gliederung ist eine Art Leseanleitung beizulegen, d.h. eine Schilderung von 1–3 möglichst konkreten Fragestellungen, unter der bzw. denen die Leser den Text lesen sollen (Beispiele: „Ist der rote Faden zu erkennen?”, „Sind die Überleitungen in Ordnung?”, „Ist der Stil angemessen?”, „Ist die Logik des Textes deutlich?”, „Ist die Argumentation nachvollziehbar?” „Gibt es Gedankensprünge?“ „Speziell in Abschnitt ....:“ „....“)
  • Jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer liest in Vorbereitung auf das Seminar die Texte der anderen Teilnehmer unter Berücksichtigung der jeweils eingereichten Leseanleitung.

Anmerkungen:

o       Text, Gliederung sowie Leseanleitung werden von allen Beteiligten absolut vertraulich behandelt

o       Umfang des Textes 5–8 Seiten

o       Der Text sollte möglichst aktuell sein und/oder ein Thema zum Gegenstand haben, „das unter den Nägeln brennt“

o       Auch Fragmente, Entwürfe, Ideensammlungen etc. sind möglich

o       In anderen Worten: Die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer muss mit dem Text nicht „fertig sein“ – genausowenig wie der Text „fertig“ sein muss

o       Für die Leseanleitung gilt: Je konkreter die Fragestellung(en) desto besser

o       Bei offenen Fragen (z.B.: „Ich habe noch gar keinen Text!“) wird um Rücksprache mit dem Trainer gebeten

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